E I N L A D U N G
Neue Impulse für die türkisch-armenischen Beziehungen?
Schwierige Annäherung
Podiumsdiskussion und Fotoausstellung
Datum: Dienstag, 15. Juni 2010, 19:00 Uhr
Ort: Beletage der Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, Berlin-Mitte
Eintritt frei, Anmeldung nicht erforderlich

Podiumsdiskussion mit:

Aris Nalci, Nachrichtenchef der türkisch-armenischen Wochenzeitschrift AGOS, Istanbul
Alexander Iskandarian, Direktor des Caucasus Institute, Eriwan
Zahir Kandasoglu, Vorsitzender der Industrie- und Handelskammer, Van
Aleksan Ter-Minasyan, Direktor des Hotels „Berlin“, Gyumri

Moderation: Ulrike Dufner, Heinrich-Böll-Stiftung Istanbul

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion wird die Fotoausstellung MerhaBarev, ein gemeinsames Projekt türkischer und armenischer Dokumentarfotografen, eröffnet.

Am 10. Oktober 2009 unterzeichneten die Außenminister der Türkei und Armeniens in Zürich im Beisein ihrer Kollegen aus den USA, Russland, Frankreich und der Schweiz zwei Protokolle, die die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen und eine Öffnung der Grenzen innerhalb von sechs Monaten nach ihrer Ratifizierung vorsehen. Damit schien ein im Herbst 2008 auf türkische Initiative hin begonnener Prozess diplomatischer und politischer Annäherung einen ersten erfolgreichen Abschluss gefunden zu haben.
International wurde dieser Akt als historischer Durchbruch gewertet: Zum ersten Mal seit 1993, als die Türkei als Antwort auf die armenischen Erfolge im Karabach-Krieg gegen das mit der Türkei eng verbündete Aserbaidschan die gemeinsame Grenze schloss und einen wirtschaftlichen und politischen Boykott über das Nachbarland verhängte, schien ein Ende der türkisch-armenischen Eiszeit in greifbare Nähe gerückt. Und dies, obwohl bislang keiner der beiden größten Streitpunkte beigelegt werden konnte: Weder hat die Türkei ihre offizielle Haltung zur Frage des Völkermords an den Armeniern 1915 geändert, noch scheint Armenien zu grundsätzlichen Zugeständnissen an Aserbaidschan im Konflikt um Berg-Karabach bereit. Von vielen Beobachtern wird jedoch erwartet, dass von einer Öffnung der Grenze und die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen eine positive Dynamik ausgelöst werden könnte, die mittel- und langfristig Lösungen auch über die unmittelbaren türkisch-armenischen Gegensätze hinaus ermöglichen und damit Bewegung in die verkarstete Konfliktlandschaft des Südkaukasus bringen könnte.
Kurz nach der feierlichen Unterzeichnung in Zürich geriet der politische Annäherungsprozess jedoch ins Stocken. Die Protokolle wurden zum Gegenstand heftiger innenpolitischer Auseinandersetzung auf beiden Seiten, und schon erreichte Vereinbarungen wurden wieder in Frage gestellt. Die Suspendierung des Ratifizierungsprozesses im April 2010 durch den armenischen Präsidenten zeigt auf, wie tief der politische Prozess in die Sackgasse geraten ist. Waren also alle Hoffnungen auf die türkisch-armenische Annäherung vergeblich?

Mit unseren Gästen aus der Türkei und Armenien wollen wir zum einen die Perspektiven des politischen Verhandlungsprozesses und die Gründe der des derzeitigen Stillstands analysieren. Zum anderen wollen wir mit unseren Gesprächspartnern aus Regionen beiderseits der Grenze die wirtschaftlichen Interessen und Entwicklungschancen ausleuchten, die sie mit einer möglichen Grenzöffnung verbinden.

Veranstalter:
Heinrich-Böll-Stiftung, Beletage, Schumannstr. 8
10117 Berlin (gegenüber dem Deutschen Theater)
Eintritt frei, Anmeldung nicht erforderlich
Die Veranstaltung wird simultan Russisch – Türkisch - Deutsch übersetzt.

Informationen: Martina Tichov, Tel. 030-28534-384, RG_Osteuropa@boell.de
Presse: Karoline Hutter, Tel. 030-285 34-202, hutter@boell.de
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